Mao: Bekämpft Buchbuchismus!

Mit den Mao-Übersetzungen in Marx‘ und Engels‘ Muttersprache ist es ein Ärgernis. Die offizielle, und damit beste Version, die uns der Verlag für fremdsprachige Literatur aus Beijing besorgt hat, umfasst 5 Ausgewählte Werke und Ausgewählte Militärische Schriften. Zusammen mit den Worten des Vorsitzenden haben Deutschzüngler:innen damit natürlich schon das Wichtigste. Aber es fehlen einige Schönheiten, die man sich dann aus dem Chaos der Übersetzungen (Grimm, Schickel, Martins, Ch‘en, KPD/ML) herausfischen muss: etwa die kleine Schrift gegen den falschen Umgang mit den Wissensspeichern. Als ich meinen demokratisch-sinologischen Hinweis bekam, dass diese doch übersetzt ist, hatte ich schon die Hälfte selbst übersetzt, dann kann ich dem Chaos ja noch ein wenig unerträgliches Chaos hinzufügen, auf dass die KP China endlich einmal Ordnung in die deutschgefasste Causa Mao bringen will. Die Schrift ist aus dem Mai 1930, befindet sich in den Ausgewählten Werken 6 von Mao Zedong: 11ff; aus dem Englischen von mir)

BEKÄMPFT BUCHBUCHISMUS!

I. KEINE UNTERSUCHUNG, KEIN REDERECHT

Solange man ein Problem nicht untersucht hat, wird man kein Recht haben, darüber zu sprechen. Ist das nicht zu streng? Nicht im Mindesten. Wenn man ein Problem nicht gründlich untersucht hat, sich nicht in die gegenwärtigen Tatsachen und seine vergangene Geschichte versenkt hat, und nichts von seinen wesentlichen Zügen weiß, dann wird alles, was man über ein Problem sagt, unbezweifelbar Unsinn sein. Unsinn reden löst keine Probleme, wie jeder weiß. Warum also sollte es unrecht sein, jemanden das Rederecht zu entziehen? Eine ganze Menge Genoss:innen verschließen die Augen und reden Unsinn, und für ein:e Kommunist:in ist das schändlich. Wie kann ein:e Kommunist:in die Augen geschlossen halten und Unsinn erzählen?
Es wird nichts nützen!
Es wird nichts nützen!
Man muss untersuchen!
Man darf keinen Unsinn erzählen!

II. EIN PROBLEM UNTERSUCHEN HEIßT ES LÖSEN

Du kannst ein Problem nicht lösen? Setz dich hin und untersuche die gegenwärtigen Tatsachen und seine vergangene Geschichte! Wenn man ein Problem gründlich untersucht hat, wird man wissen, wie es zu lösen ist. Schlußfolgerungen kommen stets nach der Untersuchung und nicht davor. Nur ein Dummkopf schindet sein Gehirn, nur auf sich gestellt oder zusammen in einer Gruppe, »eine Lösung zu finden« oder »eine Idee zu entwickeln« ohne irgendeine Untersuchung anzustellen. Es muss betont werden, dass dies unmöglich weder zu einer effektiven Lösung noch einer guten Idee führen kann.
Es gibt nicht wenige Genoss:innen, die Kontrollsarbeit erledigen, sowie Guerrillaführer:innen und Kader, die neu im Amt sind, welche es mögen im Moment ihrer Ankunft an einem Ort politische Verkündungen zu machen und sich damit brüsten dies zu kritisieren und das zu verdammen, wenn sie lediglich die Oberfläche der Dinge oder unbedeutende Einzelheiten gesehen haben. Solch unsachliches, unsinniges Gerede ist in der Tat abscheulich. Diese Leute werden zwangsläufig Unheil anzurichten, das Vertrauen der Massen verlieren und sich unfähig erweisen irgendein Problem zu lösen.
Eine gewisse Zahl von Menschen in Führungspositionen, wenn sie auf Schwierigkeiten treffen, stoßen lediglich einen Seufzer aus, ohne zur Problemlösung fähig zu sein. Sie verlieren die Geduld und erbeten mit der Begründung »nicht fähig zu sein und die Aufgabe nicht erledigen zu können« Versetzung; Dies sind die Worte von Feiglingen. Bring deine beiden Beine in Bewegung, geh jede Abteilung, die unter deiner Anleitung steht, ab und »erkundige dich nach jeder einzelnen Verrichtung«1 wie Kong Fu Zi es tat, und dann wirst du fähig sein, die Probleme zu lösen, wie gering auch deine Fähigkeit sei; denn sei dein Kopf auch leer beim Ausdertürgehen, wird er bei deiner Rückkehr nicht länger mehr leer sein, sondern alle Arten von Materialien enthalten, die für die Lösung des Problems notwendig sind. Dies ist die Weise, Probleme zu lösen. Muss man aus der Tür hinausgehen? Nicht notwendig. Man kann eine Besprechung zur Tatsachenfeststellung mit Sachkundigen einberufen um zum Grunde dessen zu kommen, was man ein schwieriges Problem nennt, und herausfinden wie der derzeitige Stand ist, und dann wird es einfach sein, das schwierige Problem zu lösen.
Eine Untersuchung kann den langen Monaten der Schwangerschaft verglichen werden und die Problemlösung dem Tag der Geburt. Ein Problem untersuchen ist, in der Tat, es lösen.

III. BEKÄMPFT BÜCHERANBETUNG

Was auch immer in einem Buch geschrieben steht, ist richtig – dies ist immer noch die Denkweise der kulturell rückständigen Chinesischen Bäuer:innen. Seltsam genug, gibt es auch in der Kommunistischen Partei Menschen, die in Diskussionen stets sagen, »Zeig mir, wo es im Buch geschrieben steht«. Wenn wir sagen, dass die Anweisung eines höheren Leitungsgremiums korrekt ist, dann nicht, weil sie von »einem höheren Leitungsgremium« kommt, sondern weil ihre Inhalte mit den objektiven und subjektiven Umständen des Kampfes und seinen Anforderungen übereinstimmen. Es ist falsch eine formalistische Haltung einzunehmen und blind den Anweisungen zu folgen, ohne sie zu diskutieren und im Lichte der gegenwärtigen Bedingungen zu untersuchen, nur weil sie von einem höheren Organ ausgehen. Das durch diesen Formalismus angerichtete Unheil erklärt, warum Linie und Taktik der Partei in den Massen nicht tiefer Wurzeln schlägt. Der Anweisung eines höheren Organs blind und scheinbar ohne Streit folgen heißt nicht, die Anweisung auszuführen, sondern sie auf vollkommenste Weise zu bekämpfen oder sabotieren.
Die Methode, Gesellschaftswissenschaften ausnahmslos aus dem Buch zu studieren, ist ebenfalls äußerst gefährlich und kann eine:n sogar auf den Weg der Konterrevolution führen. Ein klarer Beweis hierfür ist die Tatsache, dass sich ganze Haufen von Chinesischen Kommunist:innen, die sich in ihrem Studium der Gesellschaftswissenschaften auf Bücher begrenzten, zu Konterrevolutionär:innen gewandelt haben. Wenn wir sagen, dass der Marxismus korrekt ist, dann sicher nicht, weil Marx ein »Prophet« war, sondern weil sich seine Theorie in unserer Praxis und unseren Kämpfen als korrekt erwiesen hat. Wir brauchen Marxismus in unserem Kampf. In unserer Anerkennung seiner Theorie haben niemals Formalisierungen mystischer Vorstellungen wie die der »Prophezeiung« ihren Eingang gefunden. Viele, die marxistische Bücher gelesen haben, wurden Renegaten der Revolution, während ungebildete Arbeiter:innen den Marxismus oft sehr gut begreifen. Selbstverständlich sollten wir marxistische Bücher studieren, aber dieses Studium muss mit den gegenwärtigen Bedingungen unseres Landes einhergehen. Wir brauchen Bücher, aber wir müssen Buchstabengläubigkeit überwinden, welche getrennt ist von der gegenwärtigen Lage.
Wie können wir Bücheranbetung überwinden? Der einzige Weg ist, die gegenwärtige Lage zu untersuchen.

IV. OHNE DIE GEGENWÄRTIGE LAGE ZU UNTERSUCHEN WIRD MAN ZWANGSLÄUFIG ZU IDEALISTISCHER BEWERTUNG DER KLASSENKRÄFTE UND EINER IDEALISTISCHEN LEITUNG IN DER ARBEIT KOMMEN, WAS IN OPPORTUNISMUS ODER PUTSCHISMUS RESULTIERT

Zweifelst du an dieser Schlußfolgerung? Die Tatsachen werden dich sie annehmen zwingen. Versuche nur, bewerte die politische Lage oder leite den Kampf ohne eine Untersuchung anzustellen, und du wirst sehen, ob solch eine Bewertung oder Leitung unbegründet und idealistisch ist und zu opportunistischen oder putschistischen Fehlern führt. Es wird sicher passieren; nicht, weil man sorgfältig geplant hat, bevor man zur Aktion schritt, sondern weil man dabei versagte, vor der Planung die besondere gesellschaftliche Lage gründlich zu studieren, wie dies oft passiert in unseren Rote-Armee-Guerillaeinheiten. Offiziere des Li-Kui-Typs2 bestrafen die Menschen unterschiedslos für ihre Verstöße. Deswegen fühlen sich die Schuldigen ungerecht behandelt, viele Streitigkeiten folgen und die Leiter:innen verlieren alles Ansehen. Passiert das nicht des Öfteren in der Roten Armee?
Wir müssen den Idealismus ausmerzen und uns gegen alle opportunistischen und putschistischen Fehler wappnen, bevor wir es schaffen können, die Massen zu gewinnen und den Feind zu besiegen. Der einzige Weg, den Idealismus auszumerzen, ist die Mühe auf sich nehmen und die konkrete Lage zu analysieren.

V. DAS ZIEL DER GESELLSCHAFTLICHEN UND ÖKONOMISCHEN UNTERSUCHUNG IST DIE ERREICHUNG EINER RICHTIGEN BEWERTUNG DER KLASSENKRÄFTE UND DANACH DIE FORMULIERUNG RICHTIGER TAKTIK FÜR DEN KAMPF

Dies ist unsere Antwort auf die Frage: Warum müssen wir die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen untersuchen? Folglich sind der Gegenstand unserer Untersuchung alle gesellschaftlichen Klassen und ist es nicht eine bruchstückhafte gesellschaftliche Erscheinung. Die Genoss:innen der IV. Armee der Roten Armee haben in letzter Zeit gemeinhin der Untersuchungsarbeit ihre Aufmerksamkeit geschenkt3, aber die Methode, die viele von ihnen anwenden, ist falsch. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind deswegen nichtssagend wie der Bericht eines Lebensmittelhändlers, oder sie erinnern an die vielen seltsamen Geschichten, die ein Landei hört, wenn es in die Stadt kommt, oder sie wirken wie die ferne Sicht auf eine Stadt von einer Bergspitze aus. Diese Art der Untersuchung hat wenig Nutzen und erfüllt nicht unseren Hauptzweck. Unser Hauptzweck ist es, die politische und ökonomische Lage der unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen kennenzulernen. Das Ergebnis unserer Untersuchung sollte ein Bild der gegenwärtigen Lage jeder Klasse und den Höhen und Tiefen ihrer jeweiligen Entwicklung geben. Wenn wir zum Exempel die Zusammensetzung der Bauernschaft untersuchen, müssen wir nicht nur die Anzahl der Eigentümer-Bauern, der Halbeigentümer-Bäuer:innen und der Pächter-Bäuer:innen wissen, welche alle aufgrund ihres Verhältnisses zur Pacht unterschieden sind; sondern wir müssen genauer noch die Anzahl an reichen Bäuer:innen, Mittelbäuer:innen und armen Bäuer:innen, welche aufgrund von Klassen- oder Schichtzugehörigkeit unterschieden sind, wissen. Wenn wir die Zusammensetzung der Händler:innen untersuchen, müssen wir nicht nur die Anzahl in jedem Gewerbe wie Getreide, Kleidung, Medizinische Kräuter, etc., wissen, sondern müssen wir genauer noch die Anzahl an Kleinhändler:innen, Mittelhändler:innen und Großhändlern wissen. Wir sollten nicht nur den Stand jedes Gewerbes untersuchen, sondern genauer noch die Klassenverhältnisse in ihm. Wir sollten die Verhältnisse nicht nur zwischen verschiedenen Gewerben untersuchen, sondern genauer noch zwischen den unterschiedlichen Klassen. Unsere hauptsächliche Untersuchungsmethode muss es sein, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen auseinanderzunehmen; unser letzter Zweck der, ihre Zwischenverhältnisse zu verstehen, eine richtige Bewertung der Klassenkräfte zu erarbeiten und richtige Taktik für den Kampf zu formulieren: Bestimmen, welche Klasse die Hauptkraft des revolutionären Kampfes stellt, welche Klassen als Bündnispartner zu gewinnen sind und welche Klassen zu stürzen sind. Dies ist unser einziger Zweck.
Welche sind die gesellschaftlichen Klassen, die Untersuchung verlangen?
Es sind:

• Das Industrieproletariat
• Die Handwerkerschaft
• Die landwirtschaftlichen Arbeiter:innen
• Die arme Bauernschaft
• Die städtischen Armen
• Das Lumpenproletariat
• Die Handwerksmeister:innen
• Die kleinen Händler:innen
• Die mittleren Bäuer:innen
• Die reichen Bauern
• Die Grundeigentümer
• Die Handelsbourgeoisie
• Die Industriebourgeoisie

In unserer Untersuchung sollten wir dem Stand all dieser Klassen und Schichten Aufmerksamkeit schenken. Nur Industrieproletariat und Industriebourgeoisie fehlen in den Gegenden, in denen wir momentan arbeiten; wir treffen andauernd alle anderen an. Die Taktik des Kampfes ist eine Taktik im Verhältnis zu all diesen Klassen und Schichten.
Eine weitere schwere Unzulänglichkeit unserer vergangenen Untersuchungen war die unangemessene Betonung des Landes zuungunsten der Stadt, sodass viele Genoss:innen stets taktisch unklar bezüglich der städtischen Armen und der Handelsbourgeoisie waren. Die Entwicklung des Kampfes hat uns ermöglicht die Berge für die Täler zu verlassen4. Wir sind körperlich hinabgestiegen, aber geistig befinden wir uns noch in den Bergen. Wir müssen die Städte so gut kennen wie das Land, andernfalls werden wir den Anforderungen des revolutionären Kampfes nicht nachkommen können.

VI. DER SIEG IN CHINAS REVOLUTIONÄREM KAMPF WIRD VON DEM VERSTÄNDNIS DER CHINESISCHEN BEDINGUNGEN DURCH DIE CHINESISCHEN GENOSS:INNEN ABHÄNGEN

Das Ziel unseres Kampfes ist das Erringen des Sozialismus über die Stufe der Demokratie. Der erste Schritt innerhalb dieser Aufgabe ist es, durch Gewinnung der Mehrheit der Arbeiter:innenklasse und Aufrüttlung der Bauernmassen und städtischen Armen zum Sturz der Grundeigentümerklassen, des Imperialismus und des Kuomintang-Regime die demokratische Revolution zu ihrem Abschluß zu bringen. Der nächste Schritt ist die Ausführung der sozialistischen Revolution, welche im Anschluß an die Entwicklung des Kampfes folgen wird. Die Erfüllung dieser großen, revolutionären Aufgabe ist weder einfach noch leicht, und wird gänzlich von der richtigen und verbindlichen Taktik auf Seiten der Proletarischen Partei abhängen. Wenn ihre Kampftaktik falsch oder unentschlossen und schwankend ist, wird die Revolution mit Sicherheit zeitweilig scheitern. Es ist zu berücksichtigen, dass auch die bourgeoisen Parteien beständig ihre Kampftaktik diskutieren. Sie erwägen, wie sie reformistische Einflüsse innerhalb der Arbeiter:innenklasse stärken, um die Arbeiter:innenklasse irrezuführen und von der Leitung der Kommunistischen Partei zu entfernen, wie sie die reichen Bauern die Aufstände der armen Bäuer:innen niederschlagen lassen, und wie sie Verbrecher organisieren, um die revolutionären Kämpfe zu unterdrücken. In einer Situation, in der der Klassenkampf zunehmend schärfer und im Nahkampf ausgetragen wird, ist das Proletariat auf die richtige und verbindliche Kampftaktik ihrer eigenen Partei, der Kommunistischen Partei, angewiesen. Die richtige und unerschütterliche Kampftaktik einer Kommunistischen Partei kann unter keinen Umständen durch ein paar im Büro sitzende Leute ausgearbeitet werden; sie muss aus dem Verlauf des Massenkampfes entspringen, das heißt, durch die eigentliche Erfahrung. Folglich müssen wir zu jeder Zeit die gesellschaftlichen Bedingungen studieren und praktische Untersuchungen durchführen. Genoss:innen, die unbeweglich, konservativ, formalistisch und grundlos zuversichtlich sind, meinen, die momentane Kampftaktik sei perfekt, das »Dokumentenbuch«5 des VI. Nationalenkongress der Partei verbürge den bleibenden Sieg, und man könne immer dadurch siegen, dass man sich an bewährte Methoden hält. Diese Ideen sind absolut falsch und haben nichts mit der Idee zu tun, dass Kommunist:innen günstige neue Lagen durch den Kampf schaffen sollen; sie stellen eine rein konservative Linie dar. Solange diese Linie nicht gänzlich verworfen wird, wird sie der Revolution große Verluste bereiten und den Genoss:innen, die sie vertreten, selbst Schaden zufügen. Es gibt offensichtlich einige Genoss:innen in unserer Roten Armee, die damit einverstanden sind, die Dinge so zu lassen, wie sie sind; die nicht danach streben, irgendetwas gründlich zu verstehen und grundlos zuversichtlich sind; die irrtümlicherweise meinen »das ist proletarisch«. Sie essen sich satt und sitzen den ganzen Tag dösend in ihren Büros ohne auch nur einen Schritt zu machen und zu den Massen zu gehen, um Untersuchungen anzustellen. Wenn sie ihre Münder öffnen, bringen ihre Plattheiten die Leute zum Kotzen. Wir müssen, um diese Genoss:innen aufzuwecken, unsere Stimmen erheben und sie anschreien:

• Verwerft unverzüglich eure konservativen Ansichten!
• Ersetzt sie mit fortschrittlichen und kämpferisch kommunistischen Ideen!
• Geht in den Kampf!
• Geht in die Massen und untersucht die Tatsachen!

VII. DIE UNTERSUCHUNGSMETHODE

1. Besprechungen zur Tatsachenfeststellung und Untersuchungen durch Diskussionen abhalten.
Dies ist der einzige Weg, nahe der Wahrheit zu gelangen, der einzige Weg, Schlußfolgerungen zu ziehen. Fehlermachen ist einfach, wenn man keine Besprechungen zur Tatsachenfeststellung mittels Diskussionen durchführt, sondern nur auf die eigene Erfahrung eines Individuums baut. Es ist unmöglich, mehr oder weniger richtige Schlußfolgerungen aus solchen Besprechungen zu ziehen, wenn man nicht Kernfragen zur Diskussion bringt.

2. Welche Arten von Leuten sollten bei Besprechungen zur Tatsachenfeststellung beiwohnen?
Es sollten Kundige der gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen sein. Bezüglich Alter sind die Älteren besser, denn sie sind erfahren und kennen nicht nur die Umstände, sondern ihre Ursachen und Wirkungen. Jüngere mit Kampferfahrung sollten aufgrund ihrer fortschrittlichen Ideen und scharfen Augen ebenso eingesetzt werden. Bezüglich Arbeitsart sollten Arbeiter:innen, Bäuer:innen, Händler:innen, Intellektuelle, und unter Umständen Soldat:innen, manchmal sogar Obdachlose anwesend sein. Selbstverständlich sollten, je nach Thema diejenigen, die nichts damit zu schaffen haben, nicht anwesend sein. Zum Beispiel sollten Arbeiter:innen, Bäuer:innen und Studierende nicht anwesend sein, wenn das Thema der Untersuchung der Handel ist.

3. Sind große Besprechungen besser oder kleine?
Dies ist abhängig von der Fähigkeit der:s Untersuchenden eine Besprechung zu leiten. Wenn er:sie gut ist, kann eine Besprechung von 12 oder sogar 20 und mehr Leuten einberufen werden. Eine große Besprechung hat ihre Vorteile; die Antworten ergeben eine recht genaue Statistik (z.B. beim Herausfinden des Anteils der armen Bäuer:innen an der gesamten Bauernschaft) und einigermaßen richtige Schlußfolgerungen (z.B. ob gleiche oder verschiedene Landaufteilung besser ist). Selbstverständlich hat sie auch ihre Nachteile; ohne Leitungsfertigkeit wird es schwer sein, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Folglich hängt die Anzahl der Teilnehmenden einer Besprechung von dem Können der:s Untersuchenden ab. Allerdings sind das Mindeste drei Teilnehmer:innen. Andernfalls werden die ergatterten Informationen zu begrenzt sein, um der realen Lage zu entsprechen.

4. Einen ausführlichen Überblick über die Untersuchung geben.
Ein ausführlicher Überblick sollte im Vorhinein erstellt werden, und der:die Untersuchende sollte Fragen entlang des Überblicks stellen, während die Teilnehmenden ihre Antworten geben. Der ausführliche Überblick sollte das Hauptthema, die Unterthemen und ebenso ausführliche Einzelheiten enthalten. Ist beispielsweise der Handel das Hauptthema, können die Unterthemen Kleidung, Getreide, weitere Güter und Medizinische Kräuter sein; wiederum unter Kleidung können Einzelheiten ausgeführt werden wie mehrfarbig, handgestrickt, seiden und satiniert.

5. Persönliche Anteilnahme.
Jede:r mit Leitungsverantwortung – von der:m Vorsitzenden der Stadtverwaltung bis zur Zentralregierung, vom Einheitskommando zur Heerführung, von der:m Parteiortsvorsitzenden zur:m Generalsekretär:in – muss persönlich die Untersuchung der besonderen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen durchführen und sich nicht lediglich auf das Lesen von Berichten verlassen. Untersuchung und Berichtelesen sind zwei völlig verschiedene Dinge.

6. Tief nachbohren.
Jede:r Untersuchungsanfänger:in sollte ein oder zwei gründliche Untersuchungen durchführen, um sich das ganze Wissen eines besonderen Ortes (etwa eines Dorfes oder einer Stadt) oder eines besonderen Problemes (etwa des Getreideproblems oder Währungsproblems) anzueignen. Tiefes Nachbohren in einem Problem oder an einem Ort wird spätere Untersuchungen anderer Orte und Probleme erleichtern.

7. Eigene Notizen machen.
Die:der Untersuchende sollte nicht nur den Besprechungen zur Tatsachenfeststellung vorsitzen und ordentlich leiten, sondern auch seine eigenen Notizen machen und die Ergebnisse aufzeichnen. Es andere machen lassen bringt nichts.

  1. Siehe Lunyu – Gespräche des Kong Fu Zi, Buch III, „Geschicklichkeit in der Religion“: „Als der Meister das königliche Heiligtum betrat, erkundigte er sich nach jeder einzelnen Verrichtung.“ [zurück]
  2. Li Kui ist eine Figur im Chinesischen Roman Die Räuber vom Liang-Schan-Moor (水滸傳), in welchem der Bauernkrieg zu Ende der Nördlichen Song-Dynastie (960-1127) behandelt wird. Li war schlicht, freimütig und der revolutionären Sache der Bäuer:innen loyal, aber grob und taktlos. [zurück]
  3. Genosse Mao Zedong hat immer besondere Betonung auf die Untersuchung gelegt. Er hat die gesellschaftliche Untersuchung als die wichtigste Aufgabe und die Basis für die Politikbestimmung in der Führungsarbeit angesehen. Die Untersuchungsarbeit wurde von der IV. Armee der Roten Armee auf Mao Zedongs Initiative schrittweise entwickelt. Er setzte fest, dass die gesellschaftliche Untersuchung vorschriftsmäßiger Teil der Arbeit sei, und die Politische Abteilung der Roten Armee erarbeitete daraufhin ausführliche Berichte, die solche Dinge wie den Stand des Massenkampfes, den Zustand der Reaktionäre, das ökonomische Leben des Volkes und die Menge des Landbesitzes von jeder Klasse in den ländlichen Gebieten behandelten. Wohin auch immer die Rote Armee gelangte, machte sie sich zuerst mit der Klassenlage vor Ort bekannt und formulierte daraufhin den Bedürfnissen der Massen entsprechende Losungen. [zurück]
  4. »Die Berge« sind hierbei die Jinggangshan, entlang der Grenzen der Provinzen Jiangxi und Hunan; »Die Täler« sind diejenigen des südlichen Jiangxi und westlichen Fujian. Im Januar 1929 führte Genosse Mao Zedong die Hauptstreitkräfte der IV. Armee der Roten Armee von den Bergen hinab ins südliche Jiangxi und westliche Fujian um zwei große revolutionäre Basen aufzubauen. [zurück]
  5. Das »Dokumentenbuch« bestand aus den Beschlüssen, die auf dem VI. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas im Juli 1928 angenommen wurden, einschließlich der Politischen Resolution und des Beschlusses über die Bauernfrage, die Landfrage, die Organisation der politischen Macht, etc. Im frühen 1929 veröffentlichte das Frontkomitee der IV. Armee der Roten Armee diese Beschlüsse als Buch zur Verteilung an Parteiorganisationen in der Roten Armee und örtliche Parteiorganisationen. [zurück]

Der Menschheit dienen, den Planeten retten!

Je apokalyptischer die Lage wird, desto vernünftiger wird apokalyptische Politik. Je enger der Spielraum für reformistische Spielchen, desto notwendiger die aufs Globale zielende Bestimmungsmacht der international produziernden, denkenden und versorgenden Menschheit („Diktatur des Proletariats“). Das Kapital vernichtet beide „Springquellen allen Reichtums“ (MEW 23: 529), nämlich 1. den Planeten als uns versorgendes Ökosystem und 2. die produzierende-wissende-sorgende Menschheit. Denn es bringt halt Profit, diese kaputtzumachen. Also müssen wir, die arbeitenden Klassen, das Kapital kaputtmachen. Und da die arbeitenden Klassen ohne organisierte & bewaffnete Bewusstheit gar nix haben, ist die Aktionslosung: »Bilden, Organisieren, Agitieren!« die Ergänzung zur Epochenlosung »Der Menschheit dienen, den Planeten retten!«. Der Weltuntergang wird gecancelt, der Kommunismus wird siegen.

also; organisieren, sofort!:

VVN-BdA
Rote Hilfe
DGB-Gewerkschaft
Institut Solidarische Moderne
Marxistische Linke
Partei Die Linke
Institut für Sozialökologische Wirtschaftsforschung