Archiv für August 2013

Segen und Grenzen des Koffeins

„Für einen Geistarbeiter ist es notwendig, Kaffee zu trinken.“ (Wohlfahrtsausschüssler Jean-Marie Collot d‘ Herbot, 30.01.1792)

Goethe höchstselbst war es, der der zivilisierten Welt rat, die Kaffeebohnen auf ihren Hauptwirkstoff, das Koffein, zu untersuchen. Seitdem erfreut sich die Welt über die wissenschaftliche Durchleuchtung und Anwendung des schwarzen Goldes. Zurecht.

Der Kaffee gleicht in seinem edlen Nutzen für die Menschheit der Revolution, diesem durch den Wortmissbrauch durch die vereinigten Hetzapologeten der Contre-Revolution und brutalisierten Narodniki aller Länder doch niemals den schönen Klang abredbarem Begriff, die der Entkettung der Knechte, der Entfesselung der Künste und der Entidiotisierung des Geistes den theoretischen1 und praktischen Grundstein setzen wird: Er belebt Geist und Körper, ist direkte Hirnnahrung für die nervenaufreibende und synapsenverbindende Arbeit des Begriffs, bietet also in seiner monistischen Aufputschung dem Hegelianer eine Quelle, sein Werk zu schaffen und seine herausragende Leistung noch mehr zu steigern.

Und selbstverständlich muss ich einschränken: Koffein ist auch nur Katalysator. Wo kein Geist ist, kann kein Geist geputscht werden; wo kein Leben ist, belebt auch Koffein nicht. Die Sozialdemokratistengarde von links und rechts könnte in Kaffee ertrinken, ohne eine merkbare Geistesregung auszustoßen. „Die Bewegung ist alles!“, gröhlt der wankende Soze und der Tote bleibt tot und wandelt, humpelt, zuckt im ewigen bernsteinianischen oder genauso bescheuerten bernsteinkritischen Trott in die Unendlichkeit der Bedeutungslosigkeit. Sie stehen damit sogar noch unter den Arachniden, die von einer Kaffeedrogentour wenigstens unfähig und wahnsinnig werden. Der sozialdemokratistische Coffeinist ist immer unfähig und wahnsinnig, auf ständigem Kaffeeentzug.

Es gibt also einen wandelnden, dogmatischen Coffeinismus und einen schöpferischen, marxistischen Koffeinismus2. Ich stehe auf dem Boden des letzteren.

  1. Der Hegelianismus ist bekanntermaßen die Französische Revolution in Gedankenstiefeln.[zurück]
  2. Mit K, versteht sich.[zurück]