Archiv der Kategorie 'Die wandelnden Toten'

Bloggen

Bloggen ist eine Qual.
Niemand agitiert gerne; wären Maschinen selbstbewusst, fänden sie Turing Tests sicherlich so unerträglich, wie das heute für Kommunistinnen ist, wenn sie Menschen die Welt erklären müssen, die doch Hegel und Lenin schon erklärt haben. Die Bourgeoisie kann eine Sache dann doch wunderbar produzieren: Irrationalismus. Und Irrationalismus ist Antikommunismus und Antikommunisten sind unerträglich, denn „der Mensch ist vor allem Geist, geschichtliche Schöpfung und nicht Natur“ (Gramsci) und kann daher mit laufender Geschichte immer weniger ertragen, was schon zu Höhlenzeiten unerträglich war.
Aber wenn diese Art νέα ἀγορά einmal da ist, die da ist soziale Netzwerke, d.i. die ganzen konzerneigenen entöffentlichten Öffentlichkeiten, d.i. die postapokalyptischen Plattformen, auf denen liberale Papiertiger herumtollen gemacht werden, also wenn das alles also dann da ist, macht es alles noch anstrengender, sie einfach den Vernunft- & Tugendfeinden zu überlassen. Insbesondere in Deutschland. Folglich bloggen, twittern, whatsappen, tele- & instagrammen, snapchatten und facebooken Kommunistinnen.

Gemütlich ist immerhin, dass ich durchs Bloggen auf notierte Argumente verweisen kann (auch wenn ich das fast nie tue1) und nicht jedes Mal das Rad neu zerschlagen werden muss (auch wenn das fast immer nötig ist). Die Mittel werden vom Ziel mitbestimmt, daher ist Ekel den hässlichen Mitteln gegenüber etwas selten, vielleicht gar nicht Erlaubtes. Zwar gibt es in der Regel verschiedene Mittel, um einen gleichen Zweck zu erreichen, auch haben Mittel einen eigenen Horizont an Möglichkeiten, der ihnen Kraft gibt, unterschiedliche, mithin neue Zwecke erarbeitbar zu machen. Und daher ist es spätestens aufgrund der massiven feststellbaren Vermüllung des Denkens durch spontanes Herausschleudern von nur Angegartem, sowie durch Richtens der Denkwege, -Gänge und -Linien nach einem anarchischen statt einem universalistisch-elitären, philosophenroyalistischen Publikums, was beides durch die Struktur der sozialen Medien und ihrer Bewertungsmechanismen, insbesondere in Verbindung mit dem Liberalismus, der wie elektromagnetische Wellen durch unsere Körper geschossen wird, und dann aber leider an den falschesten Stellen dafür sorgt, dass etwas hell aufflackert, eine Möglichkeit des hässlichen Mittels, die wir beachten, bekämpfen und unterdrücken müssen.

Unterdrückung getan ist doch dann tatsächlich so: Jede Waffe findet ihren Krieg, jeder Text findet seine Leserin. Und ist einmal in die Welt gesagter, geschriebener, geposteter Dialektischer Materialismus auch nur durch feindliche Kraftanstrengung wieder auszuradieren. Wie schön und beruhigend zu wissen.

Folglich bloggen Kommunistinnen weiter. Es überwintert die Vernunft auch noch in den vernunftfeindlichsten Zonen, hält sich unbeschädigt, und legt dann wieder los, wenn die Zeit hergerichtet ist. Also ab gestern.2

Koala schlafen bis zu 20h/d, da sie Kompliziertes zu verarbeiten haben. Willst du den Geschmack der Weltgeschichte kennenlernen, mußt du sie verändern, das heißt sie in deinem Mund zerkauen.
Koala schlafen bis zu 20h/d, da sie Kompliziertes verarbeiten. Willst du den Geschmack der Weltgeschichte kennenlernen, mußt du sie verändern, das heißt sie in deinem Mund zerkauen.

  1. Gibt ja Hegel, die Klassiker des Marxismus & der Weltliteratur, und Texte schlauer Leute alle online und frei, oft sogar legal, beziehbar. Und wer die schlecht sortierten (also nahezu alle) Buchhandel nicht ausrauben will, kann sich viel Schönes ja „gebraucht“ (Die Rechnung Gebrauchter Klassiker zu Leuten, die sie drauf haben, geht nicht auf.) besorgen. [zurück]
  2. Oder heute oder so. Kommunismus als kämpfendes Programm ist nach Marx immer und überall auf dem Erdball möglich. Man braucht nur 1 Kommunistische Partei und mindestens 1 Anhängerin (w/m/x). [zurück]